Stauden im Spätsommer pflanzen: Warum jetzt eine gute Pflanzzeit sein kann

🌿Lesedauer: 10 Minuten

Im Gartencenter stehen im Spätsommer wieder viele Stauden, im Beet sind nach dem Sommer vielleicht einige Lücken sichtbar und die größte Hitze scheint langsam vorbei zu sein. Wenn in deinem Staudenbeet solche freien Stellen entstanden sind, lohnt es sich zuerst zu überlegen, warum diese Lücken entstanden sind und womit du sie sinnvoll füllen kannst.

Aber lohnt es sich wirklich, Ende August oder im September noch Stauden zu pflanzen – oder wartet man besser bis zum Frühjahr?

Für viele winterharte Stauden kann der Spätsommer beziehungsweise frühe Herbst tatsächlich eine sehr gute Pflanzzeit sein.

Der entscheidende Vorteil ist dabei nicht unbedingt das, was du oberirdisch siehst.

Solange der Boden noch ausreichend warm ist, können viele Stauden neue Wurzeln bilden. So können sie ihren neuen Standort bereits vor dem Winter teilweise erschließen.

Trotzdem würde ich nicht pauschal sagen:

„Herbst ist Pflanzzeit – jetzt kann alles ins Beet.“

Entscheidend ist immer, welche Staude du pflanzen möchtest, wie winterhart sie ist, welche Bedingungen am Standort herrschen und wie die Witterung in den nächsten Wochen aussieht.

📑 Das erwartet dich in diesem Artikel

Warum ist der Spätsommer eine gute Zeit, um Stauden zu pflanzen?

Für viele winterharte Stauden gehören Frühjahr und Herbst zu den günstigsten Pflanzzeiten.

Im Hochsommer können Hitze, starke Sonneneinstrahlung und trockener Boden eine frisch gesetzte Pflanze erheblich belasten. Ihr Wurzelsystem reicht zunächst kaum über den bisherigen Topfballen hinaus. Dadurch ist sie besonders auf eine zuverlässige Wasserversorgung angewiesen.

Im Spätsommer verändert sich diese Situation langsam.

Die Tage werden kürzer, die Nächte kühler und die Verdunstung nimmt gegenüber dem Hochsommer meist ab. Gleichzeitig ist der Boden noch vom Sommer erwärmt.

Staude beim Einpflanzen in spätsommerlichem Beet

Für frisch gepflanzte Stauden können dadurch günstigere Bedingungen zum Anwachsen entstehen.

Containerstauden sind allerdings nicht auf dieses kurze Zeitfenster beschränkt. Sie können grundsätzlich während eines großen Teils des Jahres gepflanzt werden, solange der Boden weder gefroren noch vernässt ist und anschließend ausreichend gegossen werden kann.

Ende August ist deshalb eher der Übergang in ein günstiges Pflanzfenster als ein festes Startdatum.

Ist es noch sehr heiß und trocken, würde ich nicht allein wegen des Kalenders pflanzen. Wird die Witterung bereits gemäßigter und kannst du zuverlässig gießen, sieht die Situation anders aus.

Doch warum sind diese Bedingungen für die Staude überhaupt so günstig? Die Antwort liegt vor allem unter der Erde.

Was passiert nach der Pflanzung unter der Erde?

Dieser Punkt ist für mich der eigentliche Grund, warum die Spätsommerpflanzung so interessant ist.

Wenn du eine Staude im September pflanzt, muss sie oberirdisch gar nicht mehr besonders stark wachsen.

Viel wichtiger ist, was im Boden passiert.

Die Wurzeln beginnen, aus dem bisherigen Topfballen in die umgebende Erde hineinzuwachsen. Dabei entstehen neue Feinwurzeln, über die die Pflanze Wasser und Nährstoffe aus einem zunehmend größeren Bodenbereich aufnehmen kann.

feine Wurzeln wachsen in den Gartenboden

Solange die Bodentemperaturen noch ausreichend hoch sind, kann dieses Wurzelwachstum weitergehen, obwohl das oberirdische Wachstum bereits langsamer wird.

Im folgenden Frühjahr startet eine gut angewachsene Staude deshalb nicht mehr ausschließlich mit dem Wurzelballen, den sie aus ihrem Pflanztopf mitgebracht hat.

Sie hat ihren neuen Standort bereits teilweise erschlossen.

Genau darin liegt der eigentliche Vorsprung einer gelungenen Herbstpflanzung.

Das bedeutet allerdings noch nicht, dass jede Staude gleichermaßen für eine Pflanzung im Spätsommer geeignet ist.

Welche Stauden kannst du im Spätsommer gut pflanzen?

Für die Spätsommer- und Herbstpflanzung eignen sich vor allem gut winterharte, kräftige Stauden, die zu deinem Standort passen.

Mehrere robuste Stauden im Gartencenter

Dazu gehören viele klassische Beetstauden, beispielsweise:

  • Storchschnabel
  • Bergenien
  • Taglilien
  • Funkien
  • Astern
  • viele robuste Sonnenhut-Arten und -Sorten

Auch manche winterharten Ziergräser können im frühen Herbst gepflanzt werden. Hier würde ich allerdings genauer hinschauen, denn nicht jedes Gras überwintert nach einer Herbstpflanzung gleich zuverlässig.

Wichtiger als eine lange Pflanzenliste sind deshalb drei Fragen:

Ist die Staude ausreichend winterhart?

Ist sie gesund und kräftig durchwurzelt?

Passt sie zu den Bedingungen an ihrem vorgesehenen Standort?

Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, spricht bei vielen Containerstauden nichts gegen eine Pflanzung im Spätsommer oder frühen Herbst.

Auch eine Staude, die gerade noch blüht, muss deshalb nicht grundsätzlich bis zum Frühjahr im Topf bleiben.

Bei manchen Pflanzen lohnt es sich dagegen, mit dem Einpflanzen noch zu warten.

Welche Stauden würde ich jetzt lieber nicht mehr pflanzen?

Die Aussage „Herbst ist Pflanzzeit“ hat Grenzen.

Nur bedingt winterharte Stauden

Stauden, die in deinem Klima ohnehin an der Grenze ihrer Winterhärte liegen, würde ich eher im Frühjahr pflanzen.

Sie haben dann eine ganze Vegetationsperiode Zeit, sich am Standort zu etablieren, bevor ihr erster Winter kommt.

Wärme- und trockenheitsliebende Arten an schwierigen Standorten

Auch bei mediterran geprägten oder besonders nässeempfindlichen Stauden würde ich genauer hinschauen.

Dabei ist nicht immer der Frost das größte Problem.

Ein schwerer Boden, der im Winter lange nass bleibt, kann für manche Arten wesentlich ungünstiger sein.

Das betrifft auch manche wärmeliebenden Ziergräser. In milden Regionen und auf sehr gut durchlässigen Böden kann eine Herbstpflanzung funktionieren. Unter ungünstigeren Bedingungen ist die Frühjahrspflanzung häufig die sicherere Variante.

Sehr kleine Jungpflanzen und schwach entwickelte Ware

Winzige Jungpflanzen, Plug-Pflanzen oder sehr kleine Teilstücke haben andere Voraussetzungen als eine kräftige Containerstaude. Je nach Art und Entwicklungszustand kann es sinnvoller sein, sie zunächst weiterzukultivieren und erst kräftiger auszupflanzen.

Im Topf ist eine kleine Pflanze allerdings nicht automatisch besser vor dem Winter geschützt. Kleine Wurzelballen können stärker durchfrieren als der Boden im Beet und brauchen deshalb einen geeigneten geschützten Überwinterungsplatz.

Stauden auf einem winterlich problematischen Standort

Wenn du weißt, dass an einer bestimmten Stelle im Winter regelmäßig Wasser steht, würde ich dort keine nässeempfindliche Staude pflanzen und darauf vertrauen, dass sie wegen des günstigen Pflanzzeitpunkts trotzdem zurechtkommt.

Eine gute Pflanzzeit kann einen ungeeigneten Standort nicht ausgleichen.

Damit stellt sich allerdings die nächste Frage: Wenn der Herbst nicht für jede Staude ideal ist – wann ist dann das Frühjahr die bessere Wahl?

Ist Ende August besser als eine Pflanzung im Frühjahr?

Nicht grundsätzlich.

Die bessere Pflanzzeit hängt von der Pflanze und deinem Standort ab.

Eine robuste, ausreichend winterharte Staude kann von einer frühen Herbstpflanzung profitieren, weil sie noch vor dem Winter einwurzeln kann.

Das Frühjahr hat dagegen einen anderen Vorteil:

Der erste Winter steht nicht unmittelbar bevor. Empfindlichere Arten haben eine ganze Vegetationsperiode Zeit, sich zu etablieren.

Deshalb würde ich beispielsweise bei Stauden, die empfindlicher auf Frost oder Winternässe reagieren, eher zur Frühjahrspflanzung tendieren. Auch auf kalten, schweren Böden kann sie die bessere Wahl sein.

Ich würde deshalb nicht fragen:

„Welche Pflanzzeit ist generell besser?“

Sondern:

„Welche Pflanzzeit ist für diese Staude an diesem Standort günstiger?“

Damit wird aus einer allgemeinen Kalenderregel eine Entscheidung, die zur Pflanze passt.

Und genau dafür musst du nicht nur die Staude kennen, sondern auch den Platz, an den du sie setzen möchtest.

Worauf solltest du beim Standort und Boden achten?

Die beste Pflanzzeit hilft wenig, wenn die Staude am falschen Platz steht.

Deshalb würde ich vor dem Pflanzen zuerst den Standort überprüfen.

Licht

Braucht die Staude volle Sonne, Halbschatten oder Schatten?

Achte dabei nicht nur darauf, wie der Platz Ende August aussieht.

Unter laubabwerfenden Gehölzen können die Lichtverhältnisse im Frühjahr beispielsweise deutlich anders sein als im Hochsommer.

Bodenfeuchtigkeit

Soll die Staude trocken, frisch oder feucht stehen?

Eine trockenheitsliebende Staude wird auf einem dauerhaft feuchten Standort langfristig ebenso Probleme bekommen wie eine feuchtigkeitsliebende Pflanze in einem heißen, trockenen Beet.

sonniges Beet und Katzenminze

Bodenstruktur

Ist der Boden ausreichend durchlässig?

Besonders bei schweren Böden lohnt es sich, darauf zu achten, ob sich im Winter Wasser staut. Für nässeempfindliche Arten kann das entscheidend sein.

Wenn du eine Lücke im Beet neu bepflanzen möchtest, würde ich deshalb nicht zuerst nach der Blütenfarbe auswählen.

Möchtest du nicht nur eine einzelne Lücke schließen, sondern dein Beet insgesamt neu aufbauen, findest du in meinem Artikel über die Gestaltung eines Staudenbeetes weitere Grundlagen zur Pflanzenauswahl und Beetplanung.

Standort zuerst – Pflanze danach.

Hast du eine passende Staude für den Standort gefunden, geht es an die eigentliche Pflanzung.

Wie pflanzt du Stauden im Spätsommer richtig ein?

Die eigentliche Pflanzung muss nicht kompliziert sein.

Ist der Topfballen trocken, wässere ihn vor dem Pflanzen zunächst gründlich.

Grabe anschließend ein Pflanzloch, das ausreichend breit für den Wurzelballen ist.

Nimm die Staude aus dem Topf und schau dir die Wurzeln an. Sind sie bereits sehr dicht am Topfrand entlanggewachsen und kreisen um den Ballen, kannst du sie vorsichtig lösen.

Setze die Staude ungefähr so tief ein, wie sie vorher im Topf gestanden hat. Die Pflanzenbasis beziehungsweise Krone sollte nicht plötzlich tief unter der Erde verschwinden.

Pflanzballen auf richtiger Pflanztiefe

Fülle das Pflanzloch wieder auf, drücke die Erde vorsichtig an und gieße anschließend gründlich.

Das Angießen ist auch dann wichtig, wenn der Boden bereits feucht wirkt. Dadurch setzt sich die Erde um den Wurzelballen und die Wurzeln bekommen guten Kontakt zum umgebenden Boden.

Eine kräftige Düngung würde ich bei einer Herbstpflanzung dagegen nicht automatisch einplanen. Vor allem eine stickstoffreiche Düngung kann noch weiches oberirdisches Wachstum fördern, das wir zu diesem Zeitpunkt nicht gezielt anregen müssen.

Mit dem Einpflanzen ist die Arbeit allerdings noch nicht ganz erledigt. Gerade in den ersten Wochen entscheidet die Wasserversorgung wesentlich darüber mit, wie gut die Staude anwächst.

Wie oft musst du frisch gepflanzte Stauden noch gießen?

„Herbstpflanzung“ bedeutet nicht automatisch:

Jetzt übernimmt der Regen alles.

Gerade Ende August und Anfang September kann der Boden noch sehr trocken sein.

Eine frisch gesetzte Staude kann zunächst hauptsächlich auf das Wasser in ihrem begrenzten Wurzelballen zugreifen. Deshalb solltest du nach dem Pflanzen gründlich angießen und die Bodenfeuchtigkeit anschließend regelmäßig kontrollieren.

Frisch gepflanzte Staude wird bodennah gründlich angegossen

Wie oft du gießen musst, lässt sich nicht sinnvoll mit einem festen Rhythmus wie „alle drei Tage“ beantworten.

Das hängt unter anderem ab von:

  • Bodenart
  • Witterung
  • Sonneneinstrahlung
  • Größe der Pflanze
  • Größe des Wurzelballens
  • vorhandener Bodenfeuchtigkeit.

Kontrolliere deshalb lieber die tatsächliche Feuchtigkeit im Bereich des Wurzelballens.

Der Boden sollte während der Anwachsphase ausreichend feucht bleiben, aber nicht dauerhaft vernässt sein.

Und noch etwas ist wichtig:

Trockenheitsverträglich bedeutet nicht, dass eine frisch gepflanzte Staude sofort trocken stehen kann.

Ihre spätere Trockenheitsverträglichkeit setzt voraus, dass sie zunächst ein ausreichend großes Wurzelsystem entwickeln konnte.

Je später die Pflanzung erfolgt, desto näher rückt schließlich auch die Frage, wie die frisch gesetzte Staude durch ihren ersten Winter kommt.

Brauchen neu gepflanzte Stauden Schutz für den ersten Winter?

Eine ausreichend winterharte Staude, die zum Standort passt und gut angewachsen ist, braucht normalerweise keinen aufwendigen Winterschutz.

Ich würde deshalb nicht jede frisch gepflanzte Staude automatisch unter Vlies, Reisig und einer dicken Laubschicht verstecken.

Eine organische Mulchschicht kann allerdings sinnvoll sein. Sie vermindert Wasserverlust, schützt die Bodenoberfläche und kann stärkere Temperaturschwankungen im oberen Bodenbereich abmildern.

Dabei sollte die Pflanzenbasis beziehungsweise Krone frei bleiben, damit sich dort nicht unnötig Feuchtigkeit sammelt.

Zusätzlicher Schutz kann eher sinnvoll sein, wenn die Staude nur bedingt winterhart ist, sehr spät gepflanzt wurde oder besonders exponiert steht.

Bei nässeempfindlichen Stauden ist allerdings häufig nicht mehr Abdeckung, sondern ein guter Wasserabzug der entscheidendere Schutz.

Deshalb beginnt auch der Winterschutz eigentlich schon bei der Standortwahl.

🌿 Stauden im Spätsommer pflanzen – alles auf einen Blick

Ob Ende August oder September ein guter Pflanzzeitpunkt ist, entscheidet nicht allein der Kalender.

Vor dem Pflanzen würde ich mir vier Fragen stellen:

Passt die Staude zu Sonne, Boden und Feuchtigkeit an diesem Standort?

Ist sie für dein Klima ausreichend winterhart?

Sind die Bedingungen der nächsten Wochen günstig genug, damit sie noch einwurzeln kann?

Kannst du sie während der Anwachsphase zuverlässig mit Wasser versorgen?

Wenn diese Punkte zusammenpassen, kann der Spätsommer für viele Stauden ein sehr guter Pflanzzeitpunkt sein.

Für mich ist deshalb die allgemeine Regel

„Im Herbst pflanzt man Stauden.“

weniger hilfreich als die Frage:

„Hat diese Staude an diesem Standort jetzt noch gute Bedingungen, um vor dem Winter einzuwurzeln?“

Wenn du das beurteilen kannst, musst du dich nicht mehr nur auf einen Pflanzkalender verlassen.

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