Tomaten im September: Was tun, wenn noch viele Früchte grün sind?

🌿Lesedauer: 7 Minuten

Anfang September hängen an vielen Tomatenpflanzen noch zahlreiche grüne Früchte.

Tomatenpflanze im September mit grünen und reifen Früchten

Einige sind bereits groß, andere erst vor wenigen Wochen entstanden – und schnell stellt sich die Frage:

Werden diese Tomaten überhaupt noch reif?

Oder solltest du sie jetzt lieber ernten und im Haus nachreifen lassen?

Bei günstiger Witterung und einer gesunden Pflanze kann die Tomatenernte noch mehrere Wochen weitergehen. Besonders unter einem Tomatendach oder im Gewächshaus können Früchte teilweise bis in den Oktober hinein an der Pflanze ausreifen.

Deshalb würde ich nicht allein auf das Datum schauen.

Entscheidend sind vielmehr drei Dinge:

Wie entwickelt sind die Früchte? Wie gesund ist die Pflanze? Und welche Witterung ist in den nächsten Wochen zu erwarten?

📑 Das erwartet dich in diesem Artikel

Warum hängen im September noch so viele grüne Tomaten an der Pflanze?

Tomaten reifen nicht alle gleichzeitig.

An einer Pflanze können im September Früchte in ganz unterschiedlichen Entwicklungsstadien hängen: Einige beginnen bereits, ihre Farbe zu verändern, andere haben ihre endgültige Größe fast erreicht und weiter oben sitzen vielleicht noch kleine, spät angesetzte Früchte.

Tomaten in unterschiedlichen Reifestadien von klein und grün bis fast reif

Wie schnell eine Tomate reift, hängt unter anderem von Sorte, Temperatur und Entwicklungsstand ab. Je nach Sorte vergehen unterschiedlich viele Wochen bis zur Reife. Späte oder großfrüchtige Sorten können deshalb im September noch deutlich mehr unreife Früchte tragen als früh reifende Sorten.

Mit zunehmendem Herbst und sinkenden Temperaturen verlangsamt sich die Reife zusätzlich.

Das bedeutet aber nicht, dass mit dem Monatswechsel plötzlich Schluss ist.

Der Blick auf viele grüne Früchte sagt zunächst nur:

Noch nicht alle Tomaten haben denselben Entwicklungsstand erreicht.

Können grüne Tomaten im September noch an der Pflanze reifen?

Ja – viele können das.

Entscheidend ist vor allem, wie weit die Frucht bereits entwickelt ist und ob noch ausreichend günstige Bedingungen folgen.

Eine Tomate, die ihre endgültige Größe fast erreicht hat, braucht hauptsächlich noch Zeit für den eigentlichen Reifeprozess. Eine kleine Frucht, die erst vor Kurzem angesetzt wurde, muss dagegen zunächst noch deutlich wachsen.

Mit sinkenden Temperaturen läuft die Reifung zunehmend langsamer ab. Trotzdem können gut entwickelte Früchte während milder Septemberwochen noch an der Pflanze ausreifen.

Der September ist deshalb kein Stichtag, an dem grüne Tomaten automatisch geerntet werden müssen.

Woran erkennst du, ob du deine Tomaten noch hängen lassen kannst?

Tomatenpflanze mit grünen und reifen Früchten unter einem Tomatendach

Jetzt lohnt sich ein Blick auf die gesamte Pflanze und ihren Standort.

Ist das Laub überwiegend gesund? Bleiben die Früchte frei von Fäulnis und größeren Schäden? Steht die Pflanze geschützt unter einem Dach oder ist sie Regen und Tau stark ausgesetzt?

Auch die Wetterentwicklung der nächsten Tage hilft bei der Entscheidung.

Eine gesunde Tomatenpflanze an einem geschützten Standort kann eine milde Septemberphase noch gut nutzen. Breiten sich dagegen Krankheiten aus und bleibt der Bestand durch kühles, feuchtes Wetter lange nass, steigt das Risiko, Früchte zu verlieren.

Du musst deshalb nicht nur fragen:

„Sind die Tomaten noch grün?“

Die hilfreichere Frage lautet:

„Hat diese Pflanze unter ihren aktuellen Bedingungen noch genügend Zeit, ihre Früchte gesund weiterzuentwickeln?“

Wie kannst du die Reife der vorhandenen Tomaten jetzt unterstützen?

Wenn du dich entscheidest, die Tomaten noch an der Pflanze zu lassen, verschiebt sich jetzt der Schwerpunkt: Es geht nicht mehr darum, möglichst viel neues Wachstum zu fördern, sondern die bereits vorhandenen Früchte gut weiterzuentwickeln.

Die Pflanze soll nicht mehr möglichst viele neue Triebe, Blüten und Früchte bilden. Jetzt geht es vor allem darum, die bereits vorhandenen Früchte unter möglichst günstigen Bedingungen weiterzuentwickeln.

Bei Trockenheit weiter gießen

Auch im Spätsommer benötigen Tomaten eine möglichst gleichmäßige Wasserversorgung.

Gieße bei Bedarf gründlich im Wurzelbereich und vermeide es, das Laub unnötig zu benetzen.

Für einen luftigen Bestand sorgen

Tau und Feuchtigkeit trocknen in einem dichten Pflanzenbestand langsamer ab.

Bei Stabtomaten kannst du deshalb weiterhin unnötige Geiztriebe entfernen und sehr dichte Bereiche etwas öffnen.

Krankheiten im Blick behalten

Eindeutig erkrankte Blätter oder Triebe solltest du entfernen.

Hand entfernt gezielt ein unteres Blatt an einer Tomatenpflanze

Bei stark fortschreitender Kraut- und Braunfäule reicht das Entfernen einzelner befallener Blätter allerdings nicht mehr aus. Dann wird es zunehmend wichtiger, die noch gesunden Früchte rechtzeitig zu sichern.

Solltest du im September Blätter von den Tomaten entfernen?

Hier gilt: Mehr ist nicht automatisch besser.

Tomatenblätter sind weiterhin für die Photosynthese und damit für die Versorgung der Pflanze wichtig. Eine fast kahle Pflanze ist deshalb nicht das Ziel.

Sinnvoll kann dagegen ein gezieltes Auslichten sein.

Vor allem untere Blätter unter bereits abgeernteten Fruchtständen können entfernt werden. Dadurch wird der untere Pflanzenbereich luftiger und kann nach Tau oder Regen schneller abtrocknen.

Auch kranke, gelbe oder sehr dicht stehende Blätter, die die Luftzirkulation behindern, dürfen weg.

Die einfache Regel lautet:

Gezielt auslichten – nicht kahl machen.

Solltest du die Spitze der Tomatenpflanze jetzt abschneiden?

Bei Stabtomaten kann das im Laufe des Septembers sinnvoll werden.

Die Bayerische Gartenakademie nennt spätestens Mitte September als möglichen Zeitpunkt, den Mitteltrieb zu kappen.

Kappen einer Stabtomate mit späten Blütenansätzen

Warum das sinnvoll sein kann, zeigt ein Blick auf eine neu entstehende Blüte:

Sie müsste noch bestäubt werden, eine Frucht bilden, diese vergrößern und schließlich ausreifen. Je später im Jahr sie entsteht, desto unwahrscheinlicher wird es, dass dafür noch genügend Zeit bleibt.

Mit dem Kappen begrenzt du deshalb vor allem weiteres spätes Wachstum und neue Blütenansätze.

Wann der passende Zeitpunkt erreicht ist, hängt auch vom Standort ab. Eine geschützte Gewächshaustomate kann länger günstige Bedingungen haben als eine ungeschützte Pflanze in einer kühlen Lage.

Wann solltest du grüne Tomaten besser ernten?

Im Laufe des Herbstes kommt jedoch der Punkt, an dem das Risiko draußen größer wird als der Vorteil des weiteren Hängenlassens.

Dieser Zeitpunkt kann erreicht sein, wenn:

  • längere kalte und nasse Witterung bevorsteht,
  • Kraut- und Braunfäule stark fortschreitet,
  • Früchte aufplatzen oder zu faulen beginnen,
  • Frost angekündigt ist oder deutliche Temperaturabfälle bevorstehen,
  • oder die Saison endgültig zu Ende geht.

Dann bringt zusätzliche Zeit an der Pflanze nicht unbedingt einen Vorteil.

Statt möglichst lange an jeder Frucht festzuhalten, ist es sinnvoller, gut entwickelte Tomaten rechtzeitig zu ernten und unter geschützten Bedingungen nachreifen zu lassen.

Welche grünen Tomaten können im Haus nachreifen?

Nicht jede grüne Tomate befindet sich im selben Entwicklungsstadium.

Die besten Voraussetzungen haben Früchte, die weitgehend ausgewachsen und gesund sind.

Manche beginnen bereits heller zu werden oder zeigen einen ersten gelblichen, orangefarbenen oder rötlichen Schimmer. Aber auch noch vollständig grüne Tomaten können nachreifen, wenn sie bereits weit genug entwickelt und ungefähr sortentypisch ausgewachsen sind.

Sehr kleine, frisch angesetzte Früchte haben dagegen deutlich schlechtere Chancen.

Achte deshalb beim Ernten vor allem auf:

Größe, Entwicklungsstand und Gesundheit.

Beschädigte oder faulende Früchte solltest du aussortieren.

Stammen die Tomaten von einer Pflanze mit Kraut- und Braunfäule, kontrolliere sie beim Nachreifen besonders regelmäßig. Auch zunächst unauffällige Früchte können später noch Krankheitssymptome entwickeln.

Wie lässt du grüne Tomaten richtig nachreifen?

Grüne und nachreifende Tomaten mit einem reifen Apfel in einem Pappkarton

Für die Nachreife brauchst du keine sonnige Fensterbank.

Lege geeignete Tomaten beispielsweise locker in einen Pappkarton und stelle ihn bei ungefähr 20 °C auf. Auch Dunkelheit ist kein Problem.

Kontrolliere die Früchte regelmäßig und sortiere weich oder faul werdende Tomaten aus.

Möchtest du den Reifeprozess beschleunigen, kannst du einen reifen Apfel oder eine reife Banane dazulegen. Sie geben Ethylen ab, das die Reifung der Tomaten fördert.

Nachgereifte Früchte erreichen geschmacklich nicht immer die Qualität einer Tomate, die unter günstigen Sommerbedingungen an der Pflanze ausgereift ist. Für Suppen oder Soßen lassen sie sich aber noch sehr gut verwenden.

🌿 Alles auf einen Blick: Grüne Tomaten im September richtig einschätzen

Anfang September musst du grüne Tomaten nicht automatisch abernten.

Statt auf ein bestimmtes Datum zu schauen, beurteile drei Dinge:

Pflanze → Frucht → Wetter

Ist die Pflanze gesund, sind die Früchte bereits gut entwickelt und bleiben die Bedingungen günstig, kannst du ihnen noch Zeit an der Pflanze geben.

Verschlechtern sich die Bedingungen, musst du die Ernte trotzdem nicht verloren geben: Weit entwickelte, gesunde grüne Tomaten können im Haus weiterreifen.

Die wichtigste Frage lautet deshalb nicht:

„Es ist September – müssen die Tomaten runter?“

Sondern:

„Haben diese Früchte draußen noch gute Bedingungen, um weiterzureifen?“

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