Florfliegen überwintern: Wie kannst du ihnen im Garten helfen?

🌿Lesedauer: 7 Minuten
Erwachsene Florfliege auf einer Pflanze im Garten im Spätsommer.

Im Spätsommer und Herbst sind Florfliegen manchmal noch zwischen den Pflanzen unterwegs. Später tauchen einzelne Tiere plötzlich im Gartenhaus, in der Garage, auf dem Dachboden oder sogar am Fenster in der Wohnung auf.

Dann stellt sich schnell die Frage:

Was macht eine Florfliege eigentlich im Winter – und müssen wir ihr helfen?

Bei der Gemeinen Florfliege (Chrysoperla carnea) überwintern die erwachsenen Tiere. Sie suchen dafür geschützte, eher kühle Plätze auf und können dabei auch in Gebäude gelangen. Andere Florfliegenarten haben teilweise andere Überwinterungsstrategien.

Für einen nützlingsfreundlichen Garten bedeutet das aber nicht automatisch, dass du ein spezielles Quartier kaufen oder bauen musst.

Oft ist etwas anderes viel wichtiger:

Vorhandene geschützte Strukturen erkennen und erhalten.

Denn Nützlingsförderung beginnt nicht erst im Frühjahr, wenn die ersten Blattläuse auftreten.

📑 Das erwartet dich in diesem Artikel

Warum sind Florfliegen für deinen Garten so wertvoll?

Florfliegen gehören zu den Nützlingen, die wir im Garten häufig erst bemerken, wenn wir genauer hinschauen.

Die erwachsene Gemeine Florfliege ist mit ihren zarten, netzartig geäderten Flügeln und den auffallend goldenen Augen gut zu erkennen. Sie ernährt sich überwiegend von Pollen, Nektar und Honigtau.

Die eigentlichen Blattlausjäger sind jedoch ihre Larven.

Mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen erbeuten sie neben Blattläusen auch andere kleine Tiere wie Spinnmilben oder Blutläuse. Eine einzige Larve kann im Laufe ihrer Entwicklung bis zu etwa 500 Blattläuse fressen.

Genau deshalb lohnt es sich, Florfliegen nicht nur während der Blattlaussaison im Blick zu haben.

Wenn du nicht nur Florfliegen, sondern auch andere Nützlinge unterstützen möchtest, erfährst du in meinem Artikel über Nützlinge im Garten fördern genauer, welche Lebensräume, Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten sie brauchen.

Wenn erwachsene Tiere den Winter in oder rund um deinen Garten überstehen, können sie im Frühjahr wieder als natürliche Gegenspieler von Blattläusen und anderen kleinen Schädlingen wirken.

Doch dafür müssen sie zunächst gut durch die kalte Jahreszeit kommen.

Was passiert mit Florfliegen im Herbst?

Bei der Gemeinen Florfliege verändert sich mit dem Herbst nicht nur das Verhalten.

Vergleich einer grünen und einer bräunlich gefärbten Gemeinen Florfliege.

Auch ihr Aussehen kann sich verändern: Die sonst grünliche Färbung kann vor der Überwinterung ins Bräunliche übergehen. Dadurch sehen die Tiere im Winter manchmal ganz anders aus als die typischen grünen Florfliegen des Sommers.

Gleichzeitig beginnt die Suche nach einem geeigneten Winterquartier.

Die erwachsenen Tiere brauchen einen geschützten Platz, an dem sie die kalte Jahreszeit weitgehend ungestört verbringen können.

Dabei geht es nicht darum, dass sie einen warmen Wohnraum brauchen.

Im Gegenteil:

Ein kühles, geschütztes und möglichst frostsicheres Quartier ist wesentlich geeigneter als ein dauerhaft warmes Wohnzimmer.

Doch wo finden Florfliegen solche Bedingungen?

Wo überwintern Florfliegen?

Die Gemeine Florfliege ist bei der Wahl ihres Winterquartiers nicht ausschließlich auf Gebäude angewiesen.

Florfliege in einer geschützten Holzspalte zwischen Laub im Winterquartier

Sie kann beispielsweise Schutz finden:

  • in Schuppen, Scheunen oder Gartenhäusern,
  • in Garagen oder auf Dachböden,
  • in geschützten Laubbereichen,
  • hinter Baumrinde,
  • oder in anderen ruhigen Spalten und Winkeln.

Florfliegen können sich dabei auch durch kleine Öffnungen in Gebäude zurückziehen.

Wenn du im Herbst plötzlich eine Florfliege im Gartenhaus oder auf dem Dachboden entdeckst, ist das deshalb nicht ungewöhnlich.

Sie hat sich dort nicht unbedingt „verirrt“.

Vielleicht hat sie genau das gefunden, wonach sie gesucht hat:

einen geschützten Platz für den Winter.

Welche Winterquartiere kannst du ihnen im Garten lassen?

Wenn du Florfliegen unterstützen möchtest, musst du deshalb nicht zuerst überlegen, was du zusätzlich schaffen könntest.

Schau zunächst auf das, was bereits da ist.

Gibt es einen ruhigen Winkel im Gartenhaus? Bleibt unter einer Hecke etwas Laub liegen? Gibt es ältere Gehölze mit geschützter Rinde oder andere wenig gestörte Verstecke?

Solche vorhandenen Strukturen können wertvoll sein, ohne dass du deinen Garten dafür umgestalten musst.

Das bedeutet auch nicht, dass du künftig jedes Blatt liegen lassen solltest.

Entscheidend ist vielmehr, nicht überall dieselbe Ordnung herzustellen.

Ein intensiv genutzter Bereich darf durchaus aufgeräumt sein, während an anderer Stelle geschützte Rückzugsräume erhalten bleiben.

So entstehen unterschiedliche Bereiche im Garten – und damit verschiedene Möglichkeiten für Tiere, Schutz zu finden.

Musst du für Florfliegen einen speziellen Überwinterungskasten aufstellen?

Nein.

Ein Florfliegenkasten kann ein zusätzliches Angebot sein. Er ist aber keine Voraussetzung dafür, dass Florfliegen in deinem Garten überwintern können.

Solche Kästen werden als Überwinterungshilfe angeboten und können beispielsweise locker mit Stroh gefüllt und geschützt aufgestellt werden.

Bevor du einen Kasten kaufst oder baust, würde ich deshalb zuerst fragen:

Fehlt in meinem Garten tatsächlich ein geschützter Rückzugsort?

Vielleicht gibt es bereits einen geeigneten Platz, den du bisher nur nicht als Winterquartier wahrgenommen hast.

Denn Nützlingsförderung bedeutet nicht automatisch, etwas Neues hinzustellen. Manchmal reicht es, das Vorhandene zu erkennen.

Warum kann zu viel Aufräumen im Herbst Florfliegen schaden?

Genau solche Rückzugsräume können allerdings verschwinden, wenn wir den Garten im Herbst sehr gründlich aufräumen.

Herbstlicher Garten mit gepflegten Bereichen und bewusst erhaltenen Rückzugsräumen für Nützlinge.

Werden Stauden bodennah abgeschnitten, sämtliches Laub entfernt, Pflanzenreste entsorgt und geschützte Winkel gesäubert, gehen gleichzeitig viele mögliche Winterquartiere verloren.

Nicht jede dieser Strukturen wird speziell von Florfliegen genutzt. Abgestorbene Staudenstängel beispielsweise sind für andere überwinternde Insekten oft wichtiger.

Genau deshalb ist Vielfalt entscheidend.

Laub an einer geschützten Stelle, stehen gelassene Pflanzenstrukturen, Gehölze und ruhige Winkel erfüllen unterschiedliche Funktionen für unterschiedliche Tiere.

Du musst deshalb nicht den gesamten Garten „wild“ lassen.

Es reicht, bewusst einige Bereiche zuzulassen, in denen im Herbst nicht alles entfernt wird.

Ordnung für uns und Rückzugsräume für Tiere müssen sich nicht ausschließen.

Was solltest du tun, wenn eine Florfliege im Haus überwintert?

Etwas anders sieht es aus, wenn du die Florfliege nicht im Garten oder im Schuppen, sondern plötzlich an der Wand oder am Fenster deiner Wohnung entdeckst.

Florfliege an einem Fenster in einem beheizten Wohnraum im Herbst.

Dann ist zunächst eine Frage entscheidend:

Wie warm ist dieser Raum?

Ein dauerhaft beheiztes Wohnzimmer ist kein besonders günstiges Winterquartier.

In diesem Fall kannst du die Florfliege vorsichtig an einen kühleren, geschützten Ort bringen. Dafür kommen beispielsweise ein geeigneter Kellerraum, ein Schuppen, ein Dachboden, ein Gartenhaus oder eine frostgeschützte Garage infrage.

Wichtig ist, dass das Tier dort geschützt überwintern und im Frühjahr wieder ins Freie gelangen kann.

Sitzt die Florfliege dagegen bereits ruhig in einem geeigneten ungeheizten Nebengebäude, würde ich sie einfach dort lassen und möglichst wenig stören.

Eine Florfliege aus dem warmen Wohnraum würde ich auch nicht direkt ins winterliche Freie setzen. Ein kühler, geschützter Ort ist für die Überwinterung die bessere Lösung.

Wann werden Florfliegen im Frühjahr wieder aktiv?

Mit steigenden Temperaturen werden die überwinternden Florfliegen wieder aktiv und verlassen ihre Winterquartiere.

Bei mildem Wetter sollte ihnen deshalb auch wieder ein Weg nach draußen offenstehen.Bei mildem Wetter im zeitigen Frühjahr sollte ihnen deshalb wieder ein Weg nach draußen offenstehen. Aus Dachboden- oder Schuppenquartieren kann dann zeitweise eine Ausflugsmöglichkeit geschaffen werden.

Erwachsene Florfliege auf einer Blüte nach der Überwinterung im Frühjahr.

Draußen brauchen die erwachsenen Florfliegen wieder Nahrung.

Sie ernähren sich unter anderem von Pollen, Nektar und Honigtau. Ein reiches Blütenangebot hilft ihnen deshalb nach dem Winter.

Später legen die Weibchen ihre Eier ab. Daraus entwickeln sich wiederum die räuberischen Larven, die auf die Jagd nach Blattläusen und anderen kleinen Beutetieren gehen.

Damit schließt sich der Kreis:

Florfliegen, die den Winter geschützt überstehen, können im Frühjahr wieder Teil des natürlichen Gleichgewichts im Garten werden.

🌿 Alles auf einen Blick: So hilfst du Florfliegen durch den Winter

Bei der Gemeinen Florfliege überwintern die erwachsenen Tiere.

Dafür suchen sie kühle und geschützte Plätze – in Gebäuden ebenso wie in geeigneten Verstecken im Garten.

Du musst deshalb nicht automatisch einen Florfliegenkasten kaufen.

Schau zuerst:

Welche geschützten Rückzugsorte gibt es in meinem Garten und rund ums Haus bereits?

Taucht eine Florfliege dagegen in einem beheizten Wohnraum auf, kannst du sie vorsichtig an einen kühleren, geschützten Ort umsiedeln.

Der wichtigste Gedanke ist:

Florfliegen im nächsten Frühjahr zu fördern beginnt nicht erst dann, wenn Blattläuse auftauchen.

Es beginnt bereits im Herbst – indem wir geeignete Rückzugsorte erkennen und erhalten.

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