Sommerhimbeeren nach der Ernte schneiden: Welche Ruten müssen jetzt weg?

🌿Lesedauer: 8 Minuten

Die letzten Sommerhimbeeren sind geerntet – und plötzlich stehen viele Ruten dicht nebeneinander. Einige haben gerade Früchte getragen, andere sind erst in diesem Jahr gewachsen.

Welche dürfen jetzt weg?

Genau hier entsteht beim Himbeerschnitt häufig Unsicherheit. Denn wenn du die falschen Ruten entfernst, schneidest du möglicherweise bereits einen Teil der Ernte für das nächste Jahr ab.

Dabei wird der Schnitt sehr logisch, sobald du weißt, an welchen Ruten Sommerhimbeeren ihre Früchte bilden.

Die alten, abgeernteten Ruten werden entfernt. Die kräftigen jungen Ruten bleiben stehen – denn an ihnen wächst im nächsten Sommer die neue Ernte.

Warum werden Sommerhimbeeren nach der Ernte geschnitten?

Sommerhimbeeren bilden jedes Jahr neue Ruten aus dem Wurzelbereich. Dadurch stehen nach der Ernte alte Fruchtruten und junge Triebe gleichzeitig im Bestand.

Würdest du alle einfach weiterwachsen lassen, wird der Bestand zunehmend dichter. Licht und Luft gelangen schlechter zwischen die Ruten, die Ernte wird unübersichtlicher und die jungen Triebe haben weniger Platz.

Nach der Ernte ist deshalb ein guter Zeitpunkt zum Auslichten.

Der genaue Zeitpunkt richtet sich nicht nach dem Kalender, sondern nach deiner Sorte: Sobald die Sommerhimbeere abgeerntet ist, können die alten Fruchtruten heraus.

Damit schaffst du Platz für die jungen Ruten, die sich bis zum Herbst weiterentwickeln können.

Welche davon bleiben müssen, wird verständlich, wenn du dir den Lebenszyklus einer Sommerhimbeerrute genauer anschaust.

An welchen Ruten tragen Sommerhimbeeren ihre Früchte?

Sommerhimbeeren tragen in der Regel an Ruten, die bereits im Vorjahr gewachsen sind.

Reste der alten Fruchtstände

Im ersten Jahr wächst eine junge Rute aus dem Boden. Sie bildet Blätter, wächst in die Höhe und überwintert.

Im folgenden Frühjahr treibt diese Rute erneut aus. An ihren Seitentrieben entstehen Blüten und anschließend die Himbeeren.

Nach der Fruchtbildung ist ihr Lebenszyklus abgeschlossen. Die zweijährige Rute stirbt nach und nach ab und wird keine weitere Sommerernte tragen.

Während sie Früchte trägt, wachsen aus dem Wurzelbereich bereits neue Ruten heran. Diese übernehmen im nächsten Jahr ihre Aufgabe.

So entsteht bei Sommerhimbeeren ein ständiger Wechsel:

Die Ruten des Vorjahres tragen – die Ruten dieses Jahres bereiten die nächste Ernte vor.

Wenn du dieses Prinzip verstanden hast, wird auch die Unterscheidung der einzelnen Ruten deutlich einfacher.

Woran erkennst du alte und junge Himbeerruten?

Direkt nach der Ernte ist die Unterscheidung meistens am einfachsten.

Die alten, abgetragenen Ruten

abgetragene Rute

Sie sind stärker verholzt und wirken häufig:

  • bräunlich bis grau,
  • trocken oder rau,
  • stärker verzweigt
  • und tragen teilweise noch Reste von Fruchtständen oder vertrocknete Seitentriebe.

Gerade die alten Fruchtstände sind ein hilfreiches Merkmal.

Wenn du eine Rute von oben nach unten verfolgst und noch erkennst, wo die Himbeeren gesessen haben, weißt du:

Diese Rute hat in diesem Jahr getragen.

Die jungen Ruten

Die neuen Ruten sind in diesem Jahr aus dem Boden gewachsen.

Sie wirken meist:

  • frischer,
  • kräftiger,
  • weniger stark verzweigt
  • und besitzen keine abgeernteten Fruchtseitentriebe.

Direkt nach der Ernte sind sie häufig noch grüner als die alten Ruten.

Die Farbe allein ist aber kein sicheres Merkmal.

Mit fortschreitendem Sommer beginnen auch junge Himbeerruten zu verholzen. Ende August können deshalb manche diesjährigen Ruten bereits bräunlicher wirken.

Verlass dich beim Unterscheiden deshalb nicht auf ein einziges Merkmal. Schau vor allem darauf, ob die Rute bereits Früchte getragen hat und alte Fruchtseitentriebe besitzt.

Hast du alte und junge Ruten voneinander unterschieden, kannst du mit dem eigentlichen Schnitt beginnen.

Welche Ruten solltest du nach der Ernte entfernen?

Schneide die Ruten, die in diesem Jahr Früchte getragen haben, möglichst dicht über dem Boden ab und lass keine langen Stummel stehen.

In einem dichten Bestand würde ich dabei Rute für Rute vorgehen.

Verfolge eine alte Fruchtrute zunächst bis zum Boden und setze erst dann die Schere an. Alte und junge Ruten können sich kreuzen oder ineinanderliegen – und schnell erwischt man sonst den falschen Trieb.

Nach diesem ersten Durchgang wird der Bestand meist schon deutlich übersichtlicher.

Jetzt kannst du dir die jungen Ruten genauer anschauen und entscheiden, welche davon im nächsten Jahr bleiben sollen.

Wie viele junge Ruten solltest du stehen lassen?

Nicht jede junge Rute muss für das nächste Jahr erhalten bleiben.

Als Orientierung können bei sommertragenden Himbeeren ungefähr 8 bis 12 kräftige neue Ruten pro laufendem Meter dienen. Je nach Sorte, Wuchskraft, Reihenbreite und Erziehungssystem kann die passende Zahl etwas unterschiedlich ausfallen.

Bereits ausgelichteter Bestand

Für den Hausgarten finde ich deshalb wichtiger:

Behalte nicht möglichst viele Ruten – behalte die besten.

Wähle kräftige, gesunde und gut verteilte Triebe aus. Sehr dünne Ruten, schwache Nachzügler oder Triebe, die dicht übereinander wachsen, können entfernt werden.

Am Ende sollte keine undurchdringliche Wand entstehen. Zwischen den Ruten darf Platz bleiben, damit Licht und Luft in den Bestand gelangen können.

Und was passiert mit kräftigen Ruten, die inzwischen weit über das Gerüst hinausgewachsen sind?

Solltest du die jungen Ruten jetzt schon einkürzen?

Besonders kräftige Sommerhimbeeren wachsen manchmal deutlich über das Gerüst hinaus.

Dann liegt der Gedanke nahe, beim Auslichten gleich oben etwas abzuschneiden.

Das würde ich nicht automatisch machen.

Die jungen Ruten sind deine zukünftigen Fruchtruten. An ihnen befinden sich die Knospen, aus denen im nächsten Jahr die fruchttragenden Seitentriebe entstehen.

Wann und auf welche Höhe zu lange Ruten gekürzt werden, hängt auch vom verwendeten Erziehungssystem ab.

Je nach System werden zu lange Ruten später unterschiedlich behandelt: Manche werden im Herbst eingekürzt, andere zunächst am Gerüst geführt und erst im Winter an dessen Höhe angepasst.

Nach der Ernte steht deshalb zunächst das Auslichten und Ordnen der Ruten im Vordergrund. Eine notwendige Höhenkorrektur kann später passend zum Erziehungssystem erfolgen.

Die ausgewählten Ruten kannst du jetzt bereits sinnvoll am Gerüst verteilen.

Himbeerruten ordentlich an/zwischen Drähten geführt

Warum solltest du die verbleibenden Ruten am Gerüst führen?

Nach dem Auslichten verteilst du die ausgewählten Jungruten möglichst gleichmäßig am vorhandenen Gerüst.

Bei einem klassischen Drahtgerüst kannst du einzelne Ruten anbinden. Bei anderen Systemen werden sie beispielsweise zwischen parallel verlaufenden Drähten geführt.

Entscheidend ist, dass die Ruten geordnet stehen und nicht wahllos ineinanderfallen.

Dadurch gelangt mehr Licht in den Bestand und die Luft kann besser zwischen den Ruten zirkulieren. Gleichzeitig bekommen die langen Triebe Halt und sind später auch unter dem Gewicht der Früchte besser gestützt.

Ein übersichtlicher Aufbau erleichtert außerdem die Ernte.

Du bringst die jungen Ruten jetzt also bereits in die Struktur, in der sie im kommenden Sommer tragen sollen.

Dabei lohnt sich noch ein genauer Blick auf ihren Zustand.

Was machst du mit schwachen, beschädigten oder kranken Ruten?

Beim Auslichten würde ich nicht nur auf das Alter, sondern auch auf den Zustand der Ruten achten.

Entfernen kannst du beispielsweise Triebe, die:

  • sehr dünn und schwach sind,
  • deutlich beschädigt wurden,
  • stark geknickt sind,
  • auffällige Krankheitszeichen zeigen
  • oder kräftigere Ruten stark bedrängen.

Hier geht es nicht mehr darum, ob eine Rute alt oder jung ist, sondern ob eine junge Rute überhaupt geeignet ist, Teil des Bestandes für das nächste Jahr zu werden.

Bei eindeutig krank wirkenden Ruten würde ich außerdem mit sauberem Schnittwerkzeug arbeiten und das entfernte Pflanzenmaterial nicht einfach zwischen den Himbeeren liegen lassen.

Wenn du auffällige Flecken oder Veränderungen an deinen Himbeerruten entdeckst, findest du in meinem Video zur Rutenkrankheit weitere Hinweise dazu.

Bevor du diese Schnittweise auf deine Himbeeren überträgst, gibt es allerdings noch einen entscheidenden Punkt.

Was ist anders, wenn du Herbsthimbeeren hast?

Du solltest wissen, welchen Himbeertyp du anbaust.

Denn Herbsthimbeeren funktionieren anders.

Sie können ihre Früchte bereits an den Ruten bilden, die im selben Jahr aus dem Boden gewachsen sind.

Bei der üblichen einjährigen Kultur einer Herbsthimbeere werden deshalb im Winter beziehungsweise zeitigen Frühjahr sämtliche Ruten bodennah entfernt. Im Frühjahr wachsen neue Triebe, die bereits im Spätsommer und Herbst desselben Jahres Früchte tragen.

Bei einer Sommerhimbeere wäre genau das ein Fehler.

Würdest du dort im Winter alle Ruten bodennah abschneiden, würdest du die Triebe entfernen, die im kommenden Sommer tragen sollen.

Deshalb ist die Frage

„Sommer- oder Herbsthimbeere?“

entscheidend für den richtigen Schnitt.

Warum Sommer- und Herbsthimbeeren unterschiedlich geschnitten werden und worauf du bei beiden Typen achten solltest, erkläre ich ausführlicher in meinem Artikel „Himbeeren schneiden: Warum Sommer- und Herbsthimbeeren unterschiedlich geschnitten werden“.

🌿 Sommerhimbeeren schneiden – alles auf einen Blick

Beim Schnitt von Sommerhimbeeren geht es vor allem darum, zwei Generationen von Ruten auseinanderzuhalten.

Die Ruten, die gerade Früchte getragen haben, haben ihren Lebenszyklus beendet und werden bodennah entfernt. Die diesjährigen kräftigen Ruten bilden dagegen die Grundlage für die nächste Ernte.

Wähle davon einen gesunden, gut verteilten Bestand aus. Als Orientierung können etwa 8 bis 12 kräftige Jungruten pro laufendem Meter dienen.

Sehr lange Ruten musst du nach der Ernte nicht automatisch einkürzen. Wann eine Höhenkorrektur sinnvoll ist, hängt vom Erziehungssystem ab.

Und verlass dich beim Erkennen der Ruten nicht allein auf ihre Farbe.

Denn die wichtigste Regel beim Himbeerschnitt lautet nicht:

„Braune Ruten abschneiden, grüne stehen lassen.“

Sondern:

„Welche Rute hat bereits getragen – und welche soll im nächsten Jahr meine Früchte tragen?“

Wenn du diesen Unterschied kennst, wird der Schnitt von Sommerhimbeeren sehr viel einfacher.

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